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Keystone-SDA | Mittwoch, 29. April 2026

Bayerns Kabinenschwur nach dem Wahnsinn von Paris

Spiel des Jahres? Des Jahrzehnts? Des Jahrhunderts? Das Neun-Tore-Spektakel zwischen Sieger Paris und Verlierer FC Bayern ist "eine Ode an den Fussball". Und das Beste: In München folgt Runde zwei.

Beim Einzug in den Bankettsaal des Teamhotels wurden die Münchner Verlierer nach dem Neun-Tore-Wahnsinn von Paris beklatscht und bejubelt wie Gewinner. Die Szenerie nach Mitternacht wirkte surreal. Aber es passte zu diesem irrwitzigen Abend, der tatsächlich mehrere Gewinner hatte.

Darunter irgendwie auch diese Comeback-Bayern, die nach einer Stunde beim 2:5 schon vor dem K.o. in Halbfinal-Runde eins standen. "Da bist du eigentlich tot. Da sitzt du auf der Tribüne und denkst: Oh, oh, oh, wie soll das werden", sagte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen in seiner Bankettrede. Doch im Stadion des Titelverteidigers Paris Saint-Germain standen die Münchner wieder auf und erzwangen noch ein 4:5-Endergebnis.

Es war ein Abend der Wow-Effekte im Prinzenpark. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, der Wendungen. "Ein Clash" zweier Fussball-Schwergewichte, wie es Bayern-Trainer Vincent Kompany ausdrückte. PSG war zwar der Sieger, aber Weltfussballer Ousmane Dembélé und Co. liessen die Bayern im Spiel.

"Jeder hat diesen Final-Glauben"

"Es fühlt sich positiv an, auch wenn wir verloren haben", sagte Joshua Kimmich. Der Mittelfeldspieler berichtete von einem Kabinenschwur für das Rückspiel. "Jeder in der Kabine hat diesen Glauben, das Gefühl, das Selbstvertrauen, dass wir Paris zu Hause schlagen können. Wir brauchen jetzt ja kein 3:0."

Alle - Trainer, Spieler, Bosse, Fans und jeder Fussball-Liebhaber - dürfen sich schon jetzt freuen auf Runde zwei am kommenden Mittwoch in der Münchner Arena. "Ich kann es kaum erwarten", sagte Kompany, der dann wieder unten am Spielfeldrand mittendrin im hitzigen Geschehen sein darf. Im Prinzenpark musste sein Assistent Aaron Danks den Chef-Job übernehmen.

Die Erfahrung, hilflos hoch oben unter dem Stadiondach zuschauen zu müssen, "die habe ich nicht genossen", erklärte Kompany. "Es war richtig schwierig. Und dann 5:2 - PSG hat da schon gejubelt. Aber wie meine Mannschaft zurückgekommen ist, das habe ich schon ein bisschen genossen im oberen Stock. Und wir haben jetzt ein Ziel, in den Final zu kommen."

"Das beste Spiel, bei dem ich dabei war"

Zwei grosse Trainer haben den Fans mit ihrer Idee vom Vollgas-Fussball mit überragenden Offensiv-Künstlern einen historischen Halbfinal geschenkt. Flügelstürmer Chwitscha Kwarazchelia und Weltfussballer Dembélé trafen jeweils doppelt für Paris. Und bei Bayern traf der komplette Über-100-Tore-Sturm mit dem eiskalten Penaltyschützen Harry Kane, dem genialen Michael Olise und dem unfassbaren Chaos-Kicker Luis Díaz, dem nie die Kraft ausgeht.

"Es war das beste Spiel, bei dem ich als Trainer dabei war", schwärmte Enrique. Der Spanier mochte nicht hadern mit dem weitgehend eingebüssten Drei-Tore-Vorsprung nach einer Stunde. "Wir haben den Sieg verdient. Aber wir hätten auch ein Unentschieden verdient gehabt. Und sogar eine Niederlage. Dieses Spiel war einfach unglaublich", bemerkte Enrique begeistert.

Die Weltpresse verneigte sich vor den beiden Teams, die ein Feuerwerk boten, das eines Endspiels würdig gewesen wäre. "Eine Ode an den Fussball", titelte die spanische Zeitung "AS". Die englische "Daily Mail" schrieb: "Wow, einfach wow. Wunderbar. Verrückt. Grossartig. Albern. Besonders. Unerbittlich." Und Italiens "Gazzetta dello Sport" urteilte: "PSG und Bayern, ihr seid der Wahnsinn! Magische Momente, Pfostentreffer und neun Tore im Spiel des Jahres."

In München geht es weiter

Spiel des Jahres? Des Jahrzehnts? Des Jahrhunderts? Das Schönste ist, dass es noch nicht vorbei ist. In München geht es beim Rückspiel weiter. Und beide Trainer werden zwar Fehler und defensive Mängel ansprechen, aber an ihrem Hurra-Stil nicht rütteln. "Fussball ist wie Religion. Da kann man immer diskutieren", sagte Kompany angesprochen auf Anpassungen beim Rauf-und-runter-Gehetze.

Es hätten ja statt neun auch 13, 14 oder 15 Tore fallen können. Kompany erwartet im Rückspiel nichts anderes. "Paris wird es nicht einfach akzeptieren, es anders zu machen. Und wir auch nicht." Obwohl schon ein schnödes 1:0 für eine Verlängerung reichen würde.

Noch in Paris richtete Kompany einen flammenden Appell an alle, die ein Ticket fürs Rückspiel ergattern konnten. Es brauche in der Allianz Arena "das gleiche Feuer" wie beim furiosen 4:3 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid. "Meine einzige Bitte ist: Wenn einer eine Karte gekauft hat und er fühlt sich am Spieltag nicht wohl, dass er zu Hause bleibt. Und seine Karte weitergibt an die fittesten Leute, die diese Wucht der Allianz Arena mit 75'000 Fans mitnehmen können. Wir müssen gewinnen - und den Support brauchen wir."

Aber auch Enriques Starensemble hat schon bewiesen, dass es in München zu Grossem fähig ist. Im Final 2025 triumphierte PSG dort mit 5:0 gegen Inter Mailand, den damaligen Viertelfinal-Bezwinger des FC Bayern.

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