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Jason Joseph liebäugelt trotz Rückschlägen mit einer Medaille
Hürdensprinter Jason Joseph will an der EM in Birmingham nach einem schwierigen Saisonverlauf zeigen, was in ihm steckt. Gleichzeitig kann er die Enttäuschung von Tokio endgültig hinter sich lassen.
Bei der Anfrage für ein Interview mit Jason Joseph gibt dessen Mutter Susan Gross Einblicke in ihre Gefühlswelt beim letzten Grossanlass ihres Sohnes vor einem Jahr an der WM in Tokio. Sie spricht darüber, wie schwierig es für sie war, ihn am Boden zerstört zu sehen, nachdem er im Final vor der ersten Hürde gestoppt hatte. Es schmerzte sie noch mehr, weil sie ihn nicht vor Ort unterstützen konnte.
Deshalb die Frage an Joseph, ob er lange gebraucht habe, diese Enttäuschung zu verdauen? "Verfolgen tut es mich schon recht lang, weil ich gefühlt in jedem Interview diese Frage beantworten muss." Nun bietet sich dem 27-jährigen Basler in Birmingham die Gelegenheit, dieses Bild zu korrigieren und für positive Schlagzeilen zu sorgen. Mit einer Saisonbestzeit von 13,24 Sekunden ist er hinter dem Franzosen Just Kwaou-Mathey (13,20) die Nummer 2 der Meldeliste.
Der Rückschlag im falschen Moment
Die Ausgangslage ist also vielversprechend, umso mehr, als die Saison bisher nicht nach dem Gusto von Joseph verlaufen ist. Er selber sagt, dass sie "bis jetzt etwas rocky war mit nicht so guten Zeiten und Verletzungen". So zog er sich im Juni einen Muskelfaserriss im hinteren Oberschenkel zu, weshalb er die Wettkämpfe in Ostrava und Paris vorsichtshalber absagte. "Es war zwar nicht schlimm, aber ein mühsamer Zeitpunkt", sagt Joseph der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er konnte fast drei Wochen keine schnellen Hürdentrainings machen - und das in einer wichtigen Phase, in der er das Gefühl hatte, dass die besseren Zeiten gekommen wären. Sein Schweizer Rekord, den er zweimal gelaufen ist, liegt bei 13,07 Sekunden.
Zu Verletzungen sagt Joseph: "Ich habe das Gefühl, wenn du auf einem Level trainierst, wie wir das tun, dann bist du auf einer Gratwanderung zwischen dem Herausholen des Maximums und dem Überschreiten desselben. Es ist abhängig von der Tagesform, kann schnell passieren."
Der Traum von einer Zeit unter 13 Sekunden
Bis zum Rückschlag war Joseph mit dem Saisonverlauf "mehr oder weniger" zufrieden. Die 13,24 Sekunden seien ganz okay gewesen, auch wenn er natürlich eine noch bessere Zeit habe erzielen wollen. "Aber ich wusste, es ist alles da, was es braucht, um schnell zu sein", blickt er zurück. Denn die Vorbereitung, in der er an den Grundlagen arbeitete, ist wie geplant verlaufen. Unter anderem wurde nochmals der Start "wirklich aufgerollt, dass ich dort technisch sauberer arbeiten kann, damit ich dementsprechend besser aus den Blöcken komme". Als er dann nach der Verletzung wieder normal trainieren konnte, wurde denn auch nichts überkompensiert.
"Ein, zwei technische Elemente haben etwas gefehlt, die sonst besser funktionierten als bisher", erklärt Joseph. "Nun muss ich einfach aktiv an diese Elemente denken beim Laufen, damit sie wieder nach vorne kommen." Denn der Schützling von Trainerin Claudine Müller ist überzeugt, selbst eine Zeit von unter 13 Sekunden in den Beinen zu haben, davon träumt er schon lange. "Ich weiss, dass sie da ist, darf mich jedoch nicht darauf fokussieren, sondern muss das abrufen, was ich kann." Der Hürdensprint gehöre sicher zu den schwierigeren Disziplinen in der Leichtathletik. "Es muss alles stimmen, damit eine Topzeit herauskommt."
An einem ganz anderen Punkt
Joseph betont, dass er nun im Vergleich zum vergangenen Jahr beim Saisonhöhepunkt an einem ganz anderen Punkt sei. Damals gewann er vor der WM am Diamond-League-Meeting in Rom und wurde in Paris Dritter. "Es war ein ganz anderer Wind", stellt er klar. "Ich gehe nun nicht an die EM, um die EM zu laufen, sondern um in einem Setting mit Topathleten zu zeigen, was in dieser Saison eigentlich möglich ist." Er ist für den Halbfinal am Mittwochabend gesetzt.
Vor der EM vor zwei Jahren in Rom, die allerdings im Juni stattfand, war bei Joseph ebenfalls nicht alles nach Wunsch gelaufen. Dennoch gewann er Bronze, seine bisher einzige Medaille an einem Grossanlass im Freien bei den Aktiven. In der Halle holte er 2023 in Istanbul den Titel über 60 m Hürden. Nach den Erwartungen in Birmingham gefragt, antwortet er: "Nichts Spezifisches, aber natürlich ist die Goldmedaille immer etwas, mit dem ich am liebäugeln bin." Dann wäre auch die Gefühlslage bei seiner Mutter eine ganz andere.

















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